Wir nehmen Abschied von Fritz Griepentrog

Fritz
Foto: Portafrank

In der vergangenen Woche, kurz vor seinem 72. Geburtstag, ist unser langjähriger Unterstützer und Vereinsmitglied Fritz Griepentrog nach langer Krankheit verstorben. Fritz war Gründungsmitglied des Weserkultur Kultur e.V. und er hat unseren Verein über all die Jahre begleitet und die Weserlieder - vor allem als wir noch klitzeklein und unbekannt waren - bei jeder sich bietenden Gelegenheit supportet.

Doch Fritz war vor allem eins: komplett musikverrückt! Über 50 Jahre war er selbst als Musiker aktiv und besonders seine Herzensband WOMEN MARKET hat über viele Jahrzehnte in immer neuen Formationen die Mindener Szene bereichert. 2016 trat er mit der Band auch beim Weserlieder Open Air auf. 

Seine Art zu Singen hatte etwas einzigartiges, war dunkel und rau. Und er hat damit so manchem bekannten Song seinen ganz eigenen Stempel aufgedrückt. Sein Herz schlug für handgemachte druckvolle Rockmusik. Und es schlug laut! Leidenschaftlich gern diskutierte er mit Fans wie Musikern über die „richtige Art“, Musik zu machen. Ehrlich musste sie sein. Ehrlich war er auch zu jeder Zeit im Gespräch. Viele Musiker können ein Lied davon singen. Doch man konnte sicher sein, dass er es nicht böse meinte, wenn er die Musik von anderen gern mal als „Hoppelpoppelmusik“ bezeichnete. Denn das sollte vor allem eins: Anspornen! "Junge, gib Gas, du hast doch viel mehr drauf!"

Die Mindener Musikszene lag ihm immer am Herzen. So hat er über viele Jahre im „Offenen Kanal“ - dem Bürgerfunk auf Radio Westfalica - in seiner Sendung „Rock aus dem Mühlenkreis“ zahlreichen Bands und Musikern aus der Region die Chance gegeben, auch mal im Radio gespielt zu werden. Auch das Weserlieder Open Air hat er selbstverständlich darin unterstützt, zu einer Zeit, als wir noch ein kleines Nischenfestival mit rund 1.000 Zuschauern pro Abend waren.

Fritz war grundsätzlich neugierig auf alles, was in Minden in der Musikszene passierte. Wenn irgendwo eine neue Nachwuchsband auftrat, konnte man fast sicher sein, dass Fritz sich das nicht entgehen ließ. Und manch junger Musiker fragte sich, wer denn der Typ mit den charakteristischen Hosenträgern wohl sein mag. Und fast jede Nachwuchsband bekam im Anschluss an ihr Konzert direkt noch sein Feedback verpasst! Die Zeit nahm er sich immer. Und das Feedback war immer ehrlich, schnörkellos und ganz sicher auch mit Tipps für den weiteren musikalischen Weg versehen. 

Fritz war definitiv ein Charakterkopf. Manch einer mag ihn vielleicht als schrullig empfunden haben. Vielleicht wollte er das auch manchmal sein. Er war einfach ein Typ. Und davon kann es nie genug geben. 

Leider hat seine Krankheit Fritz in den letzten Jahren zunehmend beeinträchtig. So lange es ging, ist er seiner Musik treu geblieben. Wenn’s nicht anders ging, hat er halt im Sitzen gesungen. Irgendwann ging auch das nicht mehr und ganz leise ist Fritz aus dem Mindener Stadtbild verschwunden. Wir sind traurig, dass er der hoffentlich bald stattfindenden Rückkehr der Weserlieder aus der Corona-Zwangspause nicht mehr beiwohnen kann. Wir glauben, das Line-Up würde ihm gefallen. Na, zum Teil bestimmt. 

Unser herzliches Beileid und unser Mitgefühl gilt seiner Familie, seinen Freunden und allen langjährigen Weggefährten. Wir trösten uns mit einem Bild im Kopf, dass ihn zeigt, wie er im Himmel Motörhead-Frontmann Lemmy Kilmister erklärt, wie man richtig Bass spielt. Und wir werden versuchen, immer möglichst wenig Hoppelpoppelmusik zu hören oder zu machen. Versprochen ... naja, ein bisschen wirst du uns sicher verzeihen ... 

Wir behalten dich in guter Erinnerung. So wie du warst. Als Unikat. Als Antreiber. Als Weserlieder-Hase der allerersten Stunden. 

Mach es gut Fritz!

Für die Weserlieder

Herr Schoen 

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+++ in memoriam Hartmut Riechmann, Lars Berger-Schulz und Fritz Griepentrog +++

+++ in memoriam Hartmut Riechmann +++